Schiefer Raum

(an Uwe Jähnichens´ schiefe Küche)
Mehr Bewegung geht nicht in der Statik.
Alles steigt oder fällt, ganz konsequent.
Rebellion gegen Gerade, zu artig
sein, ist zuweilen hier fremd.

Der Kompass dreht durch und die Wahrnehmung nebelt,
orientierungslos kämpft der Verstand,
in seinem Drang nach Ausgleich geknebelt,
nivelliert er vergeblich die steigende Wand.

Kinetik im Stillstand, Phonetik der Dinge,
Rechtwinkligkeit ist stets Konvention.
Zerschneide die paraempirische Schlinge,
vermeide die Monogamieperzeption!

Kein Geodreieck hilft in der Lage,
da es sich nirgends anlegen lässt,
trage die Wasserwaage zu Grabe,
stell dir am Besten erst gar nicht die Frage,
und halte den Becher zu Trinken fest.
[2010]

Ähnliche Beiträge

  • |

    Komische Oper

    [zur Komischen Oper Ausstellung von Uwe Jähnichen in Gallery of Wings]Voll ist die Flügelgalerie,und jedes Alter repräsentiert,der Künstler lud sich mindestens die,die mögen, was er so inszeniert. Tausende Skripte ins Zimmer gepapptund jeder Zentimeter Tapeteist zentnerweise mit Zeitgeist bepackt,im Reigen bedeutungsvoller Pamphlete. Ich fragte dann später eine Person,draußen vorm Laden, wie es denn war:das Mädchen…

  • |

    In vollen Zügen

    [an meine Frau]Unzählige Leute sitzen in Zügen,suchen den Platz, der ihnen gefällt.Einige haben den Sitzplatz bestellt und andere lügen. Wir sitzen schon lange im selben Abteil,seit nunmehr zwölf Jahren Seite an Seite,genießen die Nähe beim Blick in die Weite,die Tür ist verschlossen derweil. Du hast alles liebevoll hergerichtet,zwei Lebensläufe wurden sachte verleimtund seit uns ein eigener…

  • |

    Achtzig

    [zum 80. Geburtstag von Brigitte Kluthe]Manch Nörgler nörgelt sich nie satt,du jammerst nicht, kein Stück.Du läufst den ganzen Weg zur Stadt,wenn’s sein muss, auch zurück. Du wischt im Hausflur, kein Problem,dann schnell zum Einkaufsladen,um kurz darauf zum Sport zu gehen,an ganz entspannten Tagen. Und du bereist die halbe Weltund kommst zurück nach Hause,blickst auf dein…

  • |

    Ja, ja, die gute alte Zeit

    [an meine Mitschüler zum Ende der Schulzeit]Wir kennen uns tatsächlich lange,nur um nicht zu sagen gut,von damals aus der Essenschlange,als man noch so kleine strammeEssenmarken mit sich trug. Wir lernten schnell die Lehraufgaben,statt zu lösen, zu umgehenund hatten so, an solchen Tagen(Lehrer nannten es Betragen)lauter schlechte Noten stehen. Wir liegen in den letzten Zügen,die schon…

  • Quersumme eins

    [an Opa Gerhard zum 75. Geburtstag]Nicht mehr als zwölf, nimmt man die Summe quer,in Wirklichkeit gut sechsmal so viel,Hundert hat man, wären es Fünfundzwanzig mehr,die sind zu schaffen, wenn man will. Zahlen sind nüchtern und je nach Beliebengroß oder klein;900 Monate, 27000 Tage schon hier gebliebensind kaum acht Jahrzehnte – darauf lässt man sich ein….

  • | |

    Rentner

    Vor- oder Rückwärts, es bleibt unverändert,Glückwunsch zum eigenen Palindrom,schmunzelnd aus dem Fabriktor geschlendert,als würde die Freizeit hier irgendwo wohnen. Nun musst du den Müßiggang durchgängig regelnund alles wird da sein, nur keine Zeit.Wie ging das bloß früher, trotz Broterwerb Kegeln,im Anschluss noch Kneipe und morgens bereit? Du wirst früher munter, das kannst du mir glauben,seit…