| |

Berthold B.

[in Gedenken, 23.02.1899 –  29.06.1974, RiF]
Einer, der zwischen den Schubkästen wandelt,
einer, der etwas zu sagen hat,
es sagt und sich damit Ärger einhandelt
ich hätte den Eiertanz sicher schon satt.

Er lässt kein Haar an den lenkenden Köpfen
und bittere Wahrheiten schmecken kein Stück,
er öffnet die Deckel von köchelnden Töpfen,
ein trauriges Weltbild verdampft jedes Glück.

Als Nörgler und Zweifler den Untergang zeigen,
das ganze Land an den Pranger gestellt
und doch letzten Endes hier leben bleiben.

Nie eingegraben, unter all seinen Leiden,
Er hat einen Plan für die bessere Welt:
Bücher für Köpfe von morgen schreiben…
[2015]

Ähnliche Beiträge

  • Herr Miler ist gegangen

    [in stillem Gedenken an tschechischen Zeichner und Grafiker Zdeněk Miler, der am 30.11.2011 starb]In meinem Garten gibt es einen kleinen Haufen,man könnte sagen, dass ich jenen Haufen schätzte.Ich bin all die Jahre immer rum gelaufenund sah zu, dass ich ihn keinesfalls verletzte. Und jedes mal, wenn ich ihn vorsichtig verschonte,trat der Kleine scheu und blinzelnd…

  • |

    Klimadefekt

    Unser Klima ist defekt,es ist subtropisch heiß,die Sonne brennt, mein Körper leckt,es regnet förmlich Schweiß. Die Atemzüge fallen schwer,die Augen fallen leicht,ich konzentriere mich nicht mehr,halluziniere gleich. Was kostet nun der Aufenthaltin einer Klimaklinik?Wer macht meine Lüftung kaltund glättet meine Mimik? Ja, es kostet alles Geld,für meinethalben gerne.Wer löhnt für den Rest der Welt?Das wissen…

  • |

    Zwiegespräch im Bus

    Berufsverkehr, die Leute drängen,Türen machen langsam schlapp,zwei zu Späte bleiben hängenund fallen nach zehn Metern ab. Der Boden ist schon am Verbiegenmanchmal flutscht auch jemand raus.Ist wer neues eingestiegen,drückt sich das mit Hochdruck aus. Fragt einer mich, ob ich vielleichtbereit wäre ihm zu gestehen,wie alt ich sei, das fällt mir leichtund frage gleich, worum soll’s…

  • Stummer Nekrolog

    Der runde Vollmond stehtam Himmel ganz allein,so ist die Schicht, er kann ja nichts dafür.Er leuchtet noch so spätden letzten Säufer Heim.Der Kneiper schließt benommen seine Tür. Geräusche werden wach,die niemand wirklich hört,außer jenem, der sie wirklich hören will.Die Straßenbahn macht Krach,woran sich keiner stört,denn kurz darauf ist alles wieder still. Die Stadt schläft niemals…

  • Quersumme eins

    [an Opa Gerhard zum 75. Geburtstag]Nicht mehr als zwölf, nimmt man die Summe quer,in Wirklichkeit gut sechsmal so viel,Hundert hat man, wären es Fünfundzwanzig mehr,die sind zu schaffen, wenn man will. Zahlen sind nüchtern und je nach Beliebengroß oder klein;900 Monate, 27000 Tage schon hier gebliebensind kaum acht Jahrzehnte – darauf lässt man sich ein….