Frühstück

[zu einem Bild von Marion Beese]
Der Tag ist noch etwas verschwommen,
die Glieder sind zittrig und schwach.
Ich sehe die Küche benommen
und gehe den Händen nach.

Die Kaffeemaschine muss laufen,
der Kaffeepott steht schon bereit,
Zeit, eine Zeitung zu kaufen,
die mich aus den Träumen befreit.

Der Morgen schmeckt wieder zu bitter,
das Titelblatt zeichnet nur Frust,
draußen steht das Gewitter
und drinnen hat keiner mehr Lust.
[2009]

Ähnliche Beiträge

  • Quersumme eins

    [an Opa Gerhard zum 75. Geburtstag]Nicht mehr als zwölf, nimmt man die Summe quer,in Wirklichkeit gut sechsmal so viel,Hundert hat man, wären es Fünfundzwanzig mehr,die sind zu schaffen, wenn man will. Zahlen sind nüchtern und je nach Beliebengroß oder klein;900 Monate, 27000 Tage schon hier gebliebensind kaum acht Jahrzehnte – darauf lässt man sich ein….

  • |

    Zwiegespräch im Bus

    Berufsverkehr, die Leute drängen,Türen machen langsam schlapp,zwei zu Späte bleiben hängenund fallen nach zehn Metern ab. Der Boden ist schon am Verbiegenmanchmal flutscht auch jemand raus.Ist wer neues eingestiegen,drückt sich das mit Hochdruck aus. Fragt einer mich, ob ich vielleichtbereit wäre ihm zu gestehen,wie alt ich sei, das fällt mir leichtund frage gleich, worum soll’s…

  • |

    Blockade

    Auf einmal fällt mir nichts mehr ein,plötzlich ist mein Kopf so leerund Worte finden fällt mir schwer,wie hinterher den Reim. Was tun, wenn sich kein Thema zeigtund kein Gedanke mich bestäubt?Wer hat die Poesie betäubt?Der Übeltäter schweigt. Den Kopf zerdrückt mit beiden Händen,Haare raufend sitzt man da,brüht schon wie ein Samowar,ach wenn Ideen sich fänden….

  • |

    Generationenfrage

    Wenn wir mal alt sind und das wird auch so kommen,leben wir mit den Patenten von heute,alles zeitlebens wird mitgenommen,Indizien ergiebiger Lebensausbeute.So blöd es jetzt wäre, im höheren Alterwürden wir uns ganz bestimmt nicht genieren,wenn wir dann spacige Smartphonehalter am orthopädischen Gehstock montieren.[2017]