|

In vollen Zügen

[an meine Frau]
Unzählige Leute sitzen in Zügen,
suchen den Platz, der ihnen gefällt.
Einige haben den Sitzplatz bestellt 
und andere lügen.

Wir sitzen schon lange im selben Abteil,
seit nunmehr zwölf Jahren Seite an Seite,
genießen die Nähe beim Blick in die Weite,
die Tür ist verschlossen derweil.

Du hast alles liebevoll hergerichtet,
zwei Lebensläufe wurden sachte verleimt
und seit uns ein eigener Morgenstern scheint,
wird uns das Bild dieser Welt neu belichtet.

Genau wie die Landschaft vergeht auch die Zeit
und wandert uns beiden durch das Gesicht,
dein Antlitz ändert es aber nicht,
ein Knopf bleibt ein Knopf, altersbefreit.

Unzählige Leute sind ständig am Streben,
ein besserer Platz, als der, den man hat,
seit ich dich fand, hab’ ich es satt
und bleibe – für immer – hier leben!
[2015]

Ähnliche Beiträge

  • |

    Gehupe

    Was macht die Hupe populär?Sie dient doch lediglich dazuim lauten KFZ Verkehrdem Feind zu zeigen; Jetzt nicht mehr,nun fahre ich, nicht du. Wozu denn immer so viel Lärm?Sucht denn jeder nur noch Streit?Sie schimpfen und sie hupen gern,egal, ob Niere oder Stern,beim Fahren fehlt die Menschlichkeit.[2007]

  • Relative Schadensbilanz

    (da bleibt das Positive, Herr Kästner!)Unsere Zeit hat viele Kanten und Eckenund manch’ ein Lachen bleibt im Halse uns Stecken.Mit theatralisch toter Ironieersticken dann die, die nicht am Schwefel lecken. Moralisch einwandfrei zu lebenund ferner so das Totenbett besteigenund noch ferner darauf auch etwas zu geben,das leisten sich heute nur noch die Feigen. Wir sind…

  • | | |

    Wintertag

    [114 nach R.M.R.]Ja, es ist Zeit. Der Herbst war so bunt.Die Weste kommt unter die Sommersachen,Daunenschals machen jetzt warm und gesund. Nun los, Winterreifen müssen jetzt sein;es friert bestimmt die kommenden Tage,Scheibenwischer und ganz ohne Fragesollte auch Frostschutz ins Fahrzeug hinein.  Wer jetzt keine Garage hat, baut keine mehr.Wer draußen parkt, wird draußen bleiben,wird frösteln,…

  • Alle zählen

    Am Anfang, nach dem ersten Schreizählt man noch die Stunden,später sieht man sich dabeidie Zeit auf Tage runden. Wochen werden monatsweiseweiter ausgedehnt.Als Jahreszyklus wächst es leisebis in das Jahrzehnt. Man zählt und zählt bis sie uns dannbehutsam heimwärts schieben.Auf was man dann noch zählen kann?Auf Menschen, die uns lieben.