Stummer Nekrolog

Der runde Vollmond steht
am Himmel ganz allein,
so ist die Schicht, er kann ja nichts dafür.
Er leuchtet noch so spät
den letzten Säufer Heim.
Der Kneiper schließt benommen seine Tür.

Geräusche werden wach,
die niemand wirklich hört,
außer jenem, der sie wirklich hören will.
Die Straßenbahn macht Krach,
woran sich keiner stört,
denn kurz darauf ist alles wieder still.

Die Stadt schläft niemals ein,
denn immer, wenn sie will
fliegt etwas an die Tür, das jemand warf,
vielleicht ein blöder Stein,
vielleicht auch nur Gefühl,
ihr bleibt nur ein Moment Sekundenschlaf.

So geht das Nacht für Nacht
und irgend ein Idiot
hat einfach an die Brückenwand geschmiert.
Die Ampel schaltet sacht
auf gelb, von ihrem Rot,
sie hat den Dienst für diese Nacht quittiert.

Als Tropfen in dem Meer
sitzt einer noch bei Licht
und schreibt an seinem Tisch für sich allein.
Die Augen werden schwer
und als der Nacken bricht,
träumt er – einen allerletzten Reim.
[2007]

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