| |

Traum und Trauma

Der Wecker teilt den letzten Traum
und wird traumatisieren,
der Tag ist jung, man sieht ihn kaum
und kann ihn gar nicht spüren.
Alles dunkel, feucht und leer,
die S-Bahnwagen hecheln.
Wo krieg ich jetzt ein Streichholz her,
die Augenlider schwächeln.
[2006]

Ähnliche Beiträge

  • Frühstück

    [zu einem Bild von Marion Beese]Der Tag ist noch etwas verschwommen,die Glieder sind zittrig und schwach.Ich sehe die Küche benommenund gehe den Händen nach. Die Kaffeemaschine muss laufen,der Kaffeepott steht schon bereit,Zeit, eine Zeitung zu kaufen,die mich aus den Träumen befreit. Der Morgen schmeckt wieder zu bitter,das Titelblatt zeichnet nur Frust,draußen steht das Gewitterund drinnen…

  • |

    Freundschaft 2.0

    Die Freundschaft ist längst formatiert,sie wartet hinter jedem Klick.Man fragt sie an, sie wird quittiert,je nachdem, wie schnell man drückt. Alles katalogisiert,keine Freundschaft wird vergessenund ein Merksystem notiertGröße, Alter, Lieblingsessen. Und welches Fest sie auch bestreiten,wirklich jeder gratuliert,der Austausch vieler Herzlichkeitenwurde automatisiert. Was bleibt, sind Freunde und zuletztdie Frage, wie man trotzdem trennt,wen man davon…

  • |

    E-Scooter

    Kleine Roller, hippe Formen,trendy Farben, grünes Licht,keine Helm- dafür Dank Normenoffenbar Kennzeichenpflicht. In Rudeln parken sie geladen,lauern jedem Hipster auf,der schaut und kickt und schont die Waden,er stellt sich (denn er steht) da drauf. So, ihr lieben Kickboardvettels,klar zu wilden Radweg-Battles,nicht Konsole, sondern echt!Stürze, Brüche, offene Wunden,volle Hospitalsprechstunden,scheinbar hatte Darwin Recht.[2019]

  • |

    Großstadtschnee

    Es schneit ein wenig in der Stadt,wenn man den Regen nicht beachtet,sich die Schaufenster betrachtet,Vorstellungsvermögen hatund auf Weihnachtsmärkten schmachtet. Dann genau, wenn’s Abend wird,kann man völlig unbeirrt,weil man nicht mehr viel erkenntob der grau diffusen Flächentatsächlich vom Winter sprechenoder dem, was man so nennt.[2009]

  • | |

    Oktoberfest

    Maßkrugstämmen, Weißwurstzutschen,Pinkeln rennen vor dem Zelt,schunkeln, munkeln, sogar knutschen,irgendwen, der grad gefällt. Arsch an Arsch auf Eichenbänken,lallend die Bedienung rufen,Haxen stumpf im Bier ertränkenund verlorene Freunde suchen. Dekadenter Herdentrieb,der Weg nach Hause; nebulös.Das Geld hat längst ein Taschendieb,man ist ihm wohl erst morgen bös. Was ist der Preis für das Vergessen?Für die meisten angemessen.[2018]