Laufen lernen

Zündet die Kerzen an und setzt euch daneben,
habt keine Scheu auch dem letzten die Hände zu geben.
Die Treibjagd hat angefangen, man will euch erlegen,
also lauft um euer Leben!

Auf manchem Gesicht sammeln sich erste Intrigen.
Sie sind drauf erpicht, euch nun endlich zu kriegen.
Ihr seit damit vogelfrei in die Arena gestiegen,
also lauft, ihr könnt ja nicht fliegen!

Hör auf dir Ideale auf den Rücken zu schnüren,
lass’ dich von deinen Idolen nicht wieder verführen.
Gemeinsam gewinnen und alleine verlieren,
also lauf, um nicht zu krepieren!

Die einen sind Jäger, die anderen fliehen,
man hat sich zum Trost einen Orden verliehen;
Die einen erschießen des anderen Frieden,
also lauft und bleibt nicht liegen!

Pustet die Kerzen aus und legt sie daneben,
schließt ihre Augen leis’ und ebnet die Gräben.
Am Ende hat es nicht einen Sieger gegeben,
also lernt – um euer Leben!
[2006]

Ähnliche Beiträge

  • Stummer Nekrolog

    Der runde Vollmond stehtam Himmel ganz allein,so ist die Schicht, er kann ja nichts dafür.Er leuchtet noch so spätden letzten Säufer Heim.Der Kneiper schließt benommen seine Tür. Geräusche werden wach,die niemand wirklich hört,außer jenem, der sie wirklich hören will.Die Straßenbahn macht Krach,woran sich keiner stört,denn kurz darauf ist alles wieder still. Die Stadt schläft niemals…

  • Mondsehen

    Ich seh’ den Mondam Firmamentund vielleicht schläfst du jetzt.Wie ungewohnt,so weit getrennt,viel mehr, als man so schätzt. Zu dir kann ichleider nicht,so sehr ich mich verbiege;Ich seh’ ihn anund er sieht dichund alles, was ich liebe…[2016]

  • Was passierte

    Was war passiert, als die Städte verbrannten,die Seen verdampften, um Staub zu gebären?Was war geschehen, als Menschen erkannten,dass es nicht ausreicht, sich nur zu vermehren? Was war der Grund, dass kein Fernsehsenderdie Live- Übertragungsrechte bekam?Wieso wird nicht an sämtliche Länderdie Nachricht verkauft? Es wurde so warm. Warum verschwand denn die Atmosphäre?Woher kam das beißende Gas,welches…

  • | | |

    Der Jaguar

    [Reiner Maria Rilkes „Der Panther“ 2.0;auf der Bundesstraße 96, bei Teschendorf]Sein Blick ist vom Vorüberziehn der Streifenso schwer geworden, dass er kaum noch wacht.Ihm ist, als würden alle Zeichen weichen,nur seine Leuchten streifen durch die Nacht. Der tiefe Schluck gewagter Restbelebungdie er vom Energiegetränk bezog,Ist wie die präventive Bitte um Vergebungdie er sich stoisch ins…