Autor: Krtek Flip

  • Weißes Rauschen

    Für einen Moment vergessen,für einen Moment befreitvon all den verschiednen Interessenund dem Druck hinter Zeit. Keine kleinen Gedanken,keinen neuen Termin,keine Leute, die zankenund Köpfe voll Melodien. So laut auch die Wellen zerfallenund Winde in Ohrmuscheln hallen,man hört kaum das eigene Wort,so sicher findet man Ruhevom hektikgetränkten Getue.Es gibt keinen stilleren Ort…[2007]

  • Silvester

    Das Jahr ist um, der Kalender zuende,es ging, wie immer, alles zu schnell,wir nehmen die Zündschnur in unsere Händeund zünden, dann wird der Nachthimmel hell. So stauben wir unsere Vorsätze ab,wir glauben noch immer besessen,schon schrauben wir Korken und essen Salat;Erlauben wir uns das Vergessen! Und draußen, knallen die Leute wie blöde,drinnen, lallen die anderen…

  • Jähnichen altert

    [an den Künstler Uwe Jähnichen]Seiner einer wird ein Jährchen älter,ganz unauffällig, am helllichten Tag.Die Knochen sind morscher, die Haut etwas welker,es lügt, wer erzählt, dass er so etwas mag. Seiner einer ist perfekt präpariert.Mit Träumen und Muse steht er im Feld;Soll sie doch kommen, die Zeit, die schon giert,sei leise, dann hörst du, wie sie…

  • Herr Miler ist gegangen

    [in stillem Gedenken an tschechischen Zeichner und Grafiker Zdeněk Miler, der am 30.11.2011 starb]In meinem Garten gibt es einen kleinen Haufen,man könnte sagen, dass ich jenen Haufen schätzte.Ich bin all die Jahre immer rum gelaufenund sah zu, dass ich ihn keinesfalls verletzte. Und jedes mal, wenn ich ihn vorsichtig verschonte,trat der Kleine scheu und blinzelnd…

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    Sein Geschenk

    (zur Geburt von meinem Sohn Theo)Es ist immer dasselbe, es ist außergewöhnlich.Knopfaugen klauben die Bilder der Welt.Der ewige Kreislauf stimmt Zweifler versöhnlich,wir halten behutsam das, was uns hält. Nun sehen wir anders, seit Störche hier landen,verstehen das “Was“ und begehen das “Wie“.Nur weil schon alles gesagt ist,ist längst nicht alles verstanden,wir haben jetzt unsere eigene…

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    Herr

    Herr, vergib mir meine Sünden,hab doch nie an dich gedachtund dann sag, ob sie mich finden,weil sie suchten in der Nacht. Herr, es braucht kein Himmelsgeigeran der güldnen Pforte stehenund kein goldbesetzter Zeiger,muss sich meinethalben drehen; Einen langen leisen Traum,ein ruhiges Bett, ganz ohne Funkeln,und eine Tischlampe im Raum,ich hab’ doch Angst, allein im Dunkeln…[2008]

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    Arbeit

    Er sitzt auf seinem Sessel und schiebt die Langeweile,wie einen Suppenkesselund völlig ohne Eileohne Grund umher,nicht mehr. Da springt er plötzlich auf,sein Chef kommt in das Zimmer,das ist schon fast ein Brauch,er läuft genau wie immerohne Grund umher,nicht mehr.[2007]