|

Freundschaft 2.0

Die Freundschaft ist längst formatiert,
sie wartet hinter jedem Klick.
Man fragt sie an, sie wird quittiert,
je nachdem, wie schnell man drückt.

Alles katalogisiert,
keine Freundschaft wird vergessen
und ein Merksystem notiert
Größe, Alter, Lieblingsessen.

Und welches Fest sie auch bestreiten,
wirklich jeder gratuliert,
der Austausch vieler Herzlichkeiten
wurde automatisiert.

Was bleibt, sind Freunde und zuletzt
die Frage, wie man trotzdem trennt,
wen man davon wirklich schätzt
und nicht bloß kennt.
[2011]

Ähnliche Beiträge

  • |

    Hollischer Überraschungseffekt

    Da räumt man noch müde die Stühle ins Hausund zieht sich ein Mäntelchen über,sucht sich schon langsam das Tannengrün ausund klagt über Schnupfen und Fieber. Da zog man voraussehend Winterpneus auf,selbst Frostschutz ist längst schon befüllt,Handschuhe, Mütze, ein Schall obendrauf,halt alles auf Winter gedrillt… …und schüttelt Frau Holle dann endlich das Bette,da klatscht es auf…

  • |

    Alles Ansichtssache

    Ach ja, diese ganzen Möchtegernfahrer,was ist, wenn man denen die Stromzufuhr trennt?Kein ABS, kein Abstandswarner,kein vollautomatischer Parkassistent? Tja, dann hat sich die Wahrheit gezeigt,die kriegen das Auto ja gar nicht vom Fleck,geschweige denn auf, wenn die Funk ZV streikt.Digital Natives im Auto verreckt… Dann kommt wieder meine Zeit,dann zeigt euch Papa, was er so kann,ich…

  • |

    Stoppschild

    Das Schild „Stopp, Vorfahrt beachten“litt so bitter mit der ZeitDie Vorfahrtsstraßenschilder lachten,machten Sprüche, brachten Leid. Das kleine Stoppschild hasst die Hetzeund will auch nicht mehr rötlich sein.Es schrieb meterlange Textean die Straßenmeistereien. Schließlich kam ein Mitarbeiterund er nahm das Schild beim Wort,demontierte es samt Halterund transportierte es hinfort. Und die Vorfahrtsschilder lachten,wenn auch nur einen…

  • | |

    Kurz und gut

    Schon am allerersten Tagwusste ich um ihr Befinden;sie wird kommen und verschwinden,einfach so, wie sie es mag.Ich wusste das – und ich erlag. Nun ahne ich, was sie jetzt tut,als die Flasche Rotwein köpft,und dann den Ausgehmantel knöpft,sie wäscht die Gläser, nimmt den Hutund geht (für immer), kurz und gut.[2011]

  • |

    Dreiviertel alleine

    [an den kleinen Knopf]Eine dreiviertel Stunde entfernt,einen dreiviertel Tag allein.Ich habe tatsächlich verlernt,solo am Leben zu sein. Ich sehe viele Gesichterund letztlich immer nur eins,ich wäre ein schlechter Richter,denn sehe ich immer nur deins. Du hast mich in dir gefangenund hältst mich dort gnadenlos fest.ich bleibe mit allen Belangenwenn du mich weiterhin lässt.[2007]

  • |

    Zwiegespräch im Bus

    Berufsverkehr, die Leute drängen,Türen machen langsam schlapp,zwei zu Späte bleiben hängenund fallen nach zehn Metern ab. Der Boden ist schon am Verbiegenmanchmal flutscht auch jemand raus.Ist wer neues eingestiegen,drückt sich das mit Hochdruck aus. Fragt einer mich, ob ich vielleichtbereit wäre ihm zu gestehen,wie alt ich sei, das fällt mir leichtund frage gleich, worum soll’s…