|

Freundschaft 2.0

Die Freundschaft ist längst formatiert,
sie wartet hinter jedem Klick.
Man fragt sie an, sie wird quittiert,
je nachdem, wie schnell man drückt.

Alles katalogisiert,
keine Freundschaft wird vergessen
und ein Merksystem notiert
Größe, Alter, Lieblingsessen.

Und welches Fest sie auch bestreiten,
wirklich jeder gratuliert,
der Austausch vieler Herzlichkeiten
wurde automatisiert.

Was bleibt, sind Freunde und zuletzt
die Frage, wie man trotzdem trennt,
wen man davon wirklich schätzt
und nicht bloß kennt.
[2011]

Ähnliche Beiträge

  • Betrachtungsabstand

    Ein Schachbrett kennt nur das Extrem,es gibt nur schwarz und weiß,das ist zum spielen recht bequem,doch ethisch voller Schweiß. Nun gibt es immer auch ein StückDazwischen, ganz genauund plötzlich hat das Spielfeld Glück,denn tritt weit genug zurück,wird das Schachbrett grau.[2007]

  • |

    Großstadtschnee

    Es schneit ein wenig in der Stadt,wenn man den Regen nicht beachtet,sich die Schaufenster betrachtet,Vorstellungsvermögen hatund auf Weihnachtsmärkten schmachtet. Dann genau, wenn’s Abend wird,kann man völlig unbeirrt,weil man nicht mehr viel erkenntob der grau diffusen Flächentatsächlich vom Winter sprechenoder dem, was man so nennt.[2009]

  • |

    Café unter Buchen

    In einem Café am Park, unter Buchen,saß er verschwunden in seinem Kopf,er dachte an alles und fragte nach Kuchenund aß letztlich nur einen Heidelbeerzopf. Er blinzelte manchmal, als ob ihn was quälteund schaute auf einmal ganz plötzlich zu ihr,seitdem sah er heimlich, ich wette er zähltedie fehlenden Meter, sie saß an der Tür. Wann immer…

  • |

    Komische Oper

    [zur Komischen Oper Ausstellung von Uwe Jähnichen in Gallery of Wings]Voll ist die Flügelgalerie,und jedes Alter repräsentiert,der Künstler lud sich mindestens die,die mögen, was er so inszeniert. Tausende Skripte ins Zimmer gepapptund jeder Zentimeter Tapeteist zentnerweise mit Zeitgeist bepackt,im Reigen bedeutungsvoller Pamphlete. Ich fragte dann später eine Person,draußen vorm Laden, wie es denn war:das Mädchen…

  • |

    Ja, ja, die gute alte Zeit

    [an meine Mitschüler zum Ende der Schulzeit]Wir kennen uns tatsächlich lange,nur um nicht zu sagen gut,von damals aus der Essenschlange,als man noch so kleine strammeEssenmarken mit sich trug. Wir lernten schnell die Lehraufgaben,statt zu lösen, zu umgehenund hatten so, an solchen Tagen(Lehrer nannten es Betragen)lauter schlechte Noten stehen. Wir liegen in den letzten Zügen,die schon…