Prioritäten
Ein Polizist zeigt auf ein Rücklicht am Wagen,
es ist wohl defekt. „So geht das nicht länger!“
Kaum gesagt, platzt dem Fahrer der Kragen.
„Bleiben sie ruhig, ich will es nur sagen.“
„Scheiß auf das Licht, wo ist mein Hänger?“
[2010]
Ein Polizist zeigt auf ein Rücklicht am Wagen,
es ist wohl defekt. „So geht das nicht länger!“
Kaum gesagt, platzt dem Fahrer der Kragen.
„Bleiben sie ruhig, ich will es nur sagen.“
„Scheiß auf das Licht, wo ist mein Hänger?“
[2010]
Herr, vergib mir meine Sünden,hab doch nie an dich gedachtund dann sag, ob sie mich finden,weil sie suchten in der Nacht. Herr, es braucht kein Himmelsgeigeran der güldnen Pforte stehenund kein goldbesetzter Zeiger,muss sich meinethalben drehen; Einen langen leisen Traum,ein ruhiges Bett, ganz ohne Funkeln,und eine Tischlampe im Raum,ich hab’ doch Angst, allein im Dunkeln…[2008]
[in Gedenken, 23.02.1899 – 29.06.1974, RiF]Einer, der zwischen den Schubkästen wandelt,einer, der etwas zu sagen hat,es sagt und sich damit Ärger einhandeltich hätte den Eiertanz sicher schon satt. Er lässt kein Haar an den lenkenden Köpfenund bittere Wahrheiten schmecken kein Stück,er öffnet die Deckel von köchelnden Töpfen,ein trauriges Weltbild verdampft jedes Glück. Als Nörgler und…
Sinnierend darüber, was es bedeute,dem Fahrrad ein Tier an den Rahmen zu hängen,fuhr ich im Auto, gerade erst heutedes Nächtens stadtauswärts und kam ins Bedrängen: Ein Radler wähnte die Straße als seineUnd fuhr ohne Gnade und auch ohne Licht,Jetzt weiß ich, was der Volksmund wohl meine,wenn er von einem Drahtesel spricht.[2012]
Die Freundschaft ist längst formatiert,sie wartet hinter jedem Klick.Man fragt sie an, sie wird quittiert,je nachdem, wie schnell man drückt. Alles katalogisiert,keine Freundschaft wird vergessenund ein Merksystem notiertGröße, Alter, Lieblingsessen. Und welches Fest sie auch bestreiten,wirklich jeder gratuliert,der Austausch vieler Herzlichkeitenwurde automatisiert. Was bleibt, sind Freunde und zuletztdie Frage, wie man trotzdem trennt,wen man davon…
Der Wecker teilt den letzten Traumund wird traumatisieren,der Tag ist jung, man sieht ihn kaumund kann ihn gar nicht spüren.Alles dunkel, feucht und leer,die S-Bahnwagen hecheln.Wo krieg ich jetzt ein Streichholz her,die Augenlider schwächeln.[2006]
Ich seh’ den Mondam Firmamentund vielleicht schläfst du jetzt.Wie ungewohnt,so weit getrennt,viel mehr, als man so schätzt. Zu dir kann ichleider nicht,so sehr ich mich verbiege;Ich seh’ ihn anund er sieht dichund alles, was ich liebe…[2016]