Die Schreibmaschine

Der alte Schwerstarbeiter ist in Rente gegangen
und verließ seinen angestammten Platz
mit tintenverschmierten Buchstabenstangen
und einem unvollendeten Satz.

Man hatte das Farbband nicht mehr gewechselt
und vorher Beschriftung von den Tasten geschwitzt
und hätte sie fast für den Abfall zerhäckselt;
der Müllfahrer bot ihr den Beifahrersitz.

Und Lackkratzer zeugen von wilderen Zeiten,
na ja, sie war jung und ziemlich naiv.
Alt ist sie auch nicht, da würde sie streiten,<
doch neue Geräte machen sie primitiv.

Sie hat ihre letzte Arbeit verrichtet
und schlug ihr Relief in das weiße Papier
und irgendein Sammler hat sie gesichtet,
gerade noch so vor dem großen Spalier.

Nun klappert sie nicht mehr in ihrer Vitrine,
sie schreibt wohl nie wieder einen Bericht,
sie trifft alte Freunde und eine Cousine
und hat ihren Platz, mit Fenstersicht.
[2008]

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Kurz und gut

    Schon am allerersten Tagwusste ich um ihr Befinden;sie wird kommen und verschwinden,einfach so, wie sie es mag.Ich wusste das – und ich erlag. Nun ahne ich, was sie jetzt tut,als die Flasche Rotwein köpft,und dann den Ausgehmantel knöpft,sie wäscht die Gläser, nimmt den Hutund geht (für immer), kurz und gut.[2011]

  • |

    Mittelspurpiraten

    Sie haben sich verschworenund setzen so ihr Zeichen, wer rast, hat hier verloren,sie werden dir nicht weichen. Sie rauben keine Schätze,nur Nerven müssen leiden,wenn sie stur, wie Krätze,die Mittelspur bekleiden. So hängen sie im Neutrum fest,die liberalen Fahrer.Sie nerven, wie die Beulenpest,doch langsam wird es klarer; Ich weiß, was ich daran nicht mag,ich kann es fast…

  • Das Radio

    Es lag an einem Wiesenpfadversteckt, leicht in den Wald gezogen,neben einem alten Rad,ein Radio, welches, schräg rechts obeneinen Knopf zum Drehen hat. Es sah so traurig und verstörtaus. Als ich es dort erblickte,merkte ich, wie ich mich bückte,da es wohl keinem mehr gehört. Ich hab es einfach mitgenommen,heilbekommen hab ich’s nicht,nur warm hat es das…

  • |

    80 Jahre

    (an Bernhard v. d. Pütten)Es ist an der Zeit eine Pause zu machenund sich zu erinnern, was denn geschah,über die Faxen von damals zu lachenund sich zu bedanken, für jedes Jahr. Noch einmal seine Geschichten erzählen,nochmals erleben, wie es denn war,die Schiffe, das Meer und Matrosenseelenund sich zu bedanken, für jedes Jahr. Es ist an…