Weißes Rauschen

Für einen Moment vergessen,
für einen Moment befreit
von all den verschiednen Interessen
und dem Druck hinter Zeit.

Keine kleinen Gedanken,
keinen neuen Termin,
keine Leute, die zanken
und Köpfe voll Melodien.

So laut auch die Wellen zerfallen
und Winde in Ohrmuscheln hallen,
man hört kaum das eigene Wort,
so sicher findet man Ruhe
vom hektikgetränkten Getue.
Es gibt keinen stilleren Ort…
[2007]

Ähnliche Beiträge

  • | | |

    Der Jaguar

    [Reiner Maria Rilkes „Der Panther“ 2.0;auf der Bundesstraße 96, bei Teschendorf]Sein Blick ist vom Vorüberziehn der Streifenso schwer geworden, dass er kaum noch wacht.Ihm ist, als würden alle Zeichen weichen,nur seine Leuchten streifen durch die Nacht. Der tiefe Schluck gewagter Restbelebungdie er vom Energiegetränk bezog,Ist wie die präventive Bitte um Vergebungdie er sich stoisch ins…

  • |

    Achtzig

    [zum 80. Geburtstag von Brigitte Kluthe]Manch Nörgler nörgelt sich nie satt,du jammerst nicht, kein Stück.Du läufst den ganzen Weg zur Stadt,wenn’s sein muss, auch zurück. Du wischt im Hausflur, kein Problem,dann schnell zum Einkaufsladen,um kurz darauf zum Sport zu gehen,an ganz entspannten Tagen. Und du bereist die halbe Weltund kommst zurück nach Hause,blickst auf dein…

  • | |

    Oktoberfest

    Maßkrugstämmen, Weißwurstzutschen,Pinkeln rennen vor dem Zelt,schunkeln, munkeln, sogar knutschen,irgendwen, der grad gefällt. Arsch an Arsch auf Eichenbänken,lallend die Bedienung rufen,Haxen stumpf im Bier ertränkenund verlorene Freunde suchen. Dekadenter Herdentrieb,der Weg nach Hause; nebulös.Das Geld hat längst ein Taschendieb,man ist ihm wohl erst morgen bös. Was ist der Preis für das Vergessen?Für die meisten angemessen.[2018]

  • |

    Dreiviertel alleine

    [an den kleinen Knopf]Eine dreiviertel Stunde entfernt,einen dreiviertel Tag allein.Ich habe tatsächlich verlernt,solo am Leben zu sein. Ich sehe viele Gesichterund letztlich immer nur eins,ich wäre ein schlechter Richter,denn sehe ich immer nur deins. Du hast mich in dir gefangenund hältst mich dort gnadenlos fest.ich bleibe mit allen Belangenwenn du mich weiterhin lässt.[2007]

  • |

    Im Tunnel

    Irgendwann fuhr man wohl ganz unbedarft dort hinein,vermutlich, weil das Schild davor es einem so wies,erst ganz behutsam, die Blicke wach, die Schritte klein.Wer weiß, vielleicht folgt ja bald ein Paradies? Man fährt und fährt, tauscht gelegentlich Spuren,wird überholt oder zieht selbst an irgendwem vorbei.Der Kilometerzähler frisst die Zeit von allen Uhrenrechts eine Wand, links…