Silvester

Das Jahr ist um, der Kalender zuende,
es ging, wie immer, alles zu schnell,
wir nehmen die Zündschnur in unsere Hände
und zünden, dann wird der Nachthimmel hell.

So stauben wir unsere Vorsätze ab,
wir glauben noch immer besessen,
schon schrauben wir Korken und essen Salat;
Erlauben wir uns das Vergessen!

Und draußen, knallen die Leute wie blöde,
drinnen, lallen die anderen mit,
Gläser prallen zur nächtlichen Rede,
Gedanken verhallen, sie halten nicht Schritt.

Und wer noch keine Sternschnuppe sah,
der baut sich eine Rakete,
dann schaut er gen Himmel, so werden sie war,
der Großteil, aller Gebete.

Das Jahr ist nun um, der Kalender zuende,
Wir trinken Likörchen, morgen ist frei
und nehmen die Zündschnur in unsere Hände,
wir zünden und seufzen ein wenig dabei.
[2009]

Ähnliche Beiträge

  • |

    Exil

    Traurig ist es, irgendwie,auf seine Zeit zurückzuschauen,Erinnerungen zu zerkauen,Überlebensstrategiebleibt, neue Schlösser zu erbauen. Neue Wege, die entstehen,durch alte, die ganz leis verblassenbis sie den Stadtplan ganz verlassen,sich selbst um sich allein nur drehenund einzig sich als Zweck erfassen. Neue Ziele sollen leiten,durch die kranke Ironie,Erinnerungen töten die,die noch sind in alten Zeiten.Ja, traurig ist es…

  • Vorbereitung

    Wenn du mal gehen solltest, nicht heute oder morgen,dann sei dir sicher, dass du irgendwie auch bleibst,Es fühlt sich nur so an, als würde man dich kurz verborgen,es wäre also schön, wenn du von dort ruhig auch mal schreibst. Wenn es so kommt, dann werd‘ ich wohl ein Denkmal enthüllen,nichts Großes und doch auf den…

  • |

    Großstadtsilvester

    Das Jahr ging wieder schallend vorüber,an Zimmerdecken hängen Ballons,die Straßen sind voller leerer Kartonsund Sektflaschen kleckerten drüber. Der Wirt latscht leise lallend ins Bett,die Fässer fast leer, das hat sich gelohnt,Silvester hat ihn nicht wirklich verschont,Der Umsatz macht die Blessuren schon wett. Atmen und fegen, die Laufwege räumen,und fremde von eigenen Sachen trennen,zum Frühstück bleiben…

  • Schwanenlied

    An diesem Abend senkte ein Schwanden Kopf majestätisch auf den goldenen See,Enten kreuzten bewegt seine Bahn,ganz stumm und sie sagten leise ade. Den Weg anzutreten, den man so fürchtet,erlässt einem keine Schönheit auf Erden,sie zaubert jedoch ein seliges Lächelnund lässt es fortan zu Ewigkeit werden.[2005]

  • |

    MS Ohnmacht

    Es fährt ein Schiff im Mittelmeerund schultert hundert Leute,vis a vis streift Militär,das vor dem Hafen dräute. Es schwimmt ein Schiff, das jeder sieht,der Hafen bleibt geschlossen.Es pfeift ein Kind sein Trauerlied,der Vater wurd’ erschossen. Es treibt ein Schiff und buckelt schwer,wie eine volle Lore.Regierungen verhandeln: Weröffnet seine Tore? Es schwankt ein Schiff im Wellengang,Reporter…