Melancholie des Existenzminimums

Das hatte doch etwas, am Abgrund zu leben,
so ganz ohne Kaufkraft und dinglichen Neid
und alles romantisch, man mochte sich eben
und teilte statt den Millionen die Zeit.

Die Tage sind länger, der Himmel ist blauer,
man hatte die Augen auf Dinge trainiert,
die so ein Weltmensch selbst bei genauer
Betrachtung einfach nicht registriert.

Ein besseres Leben, als eines mit Schmerzen,
als eines, das wehtut, wenn man es lebt,
vorbei an Liquiden und ihren Kommerzen,
die Revolution der einsamen Herzen
soll alles sein, wonach man dann strebt?
ich glaube, sie scherzen.
(Von wegen Freiheitsprivileg!)
[2006]

Ähnliche Beiträge

  • |

    Fitness Tracker

    Ich müsse nun endlich den Finger ziehen,Speckrollen sollen tollen Muskeln weichenund um dieses zackige Ziel zu erreichengibt es tatsächlich Technologien. Den „Fitness Tracker“ soll ich mir kaufen,das würde sie vorzugsweise empfehlen,er helfe beim Körperspeckfettwegquälen,ach was, es würde wie wahnsinnig laufen. Die Suchmaschine half mir behändeAngebote gab es ergiebig,so kaufte ich letztlich einen beliebigund machte dem…

  • Autofahren

    Täglich wird der Wahnsinn mehr,die Schlangen werden länger.Die Ampelphasen tun sich schwer,der massiv steigende Verkehrist so, wie Heiserkeit beim Sänger. Und der Frust wächst und gedeiht,die Hälse aller werden breiter.Jeder hat zu wenig Zeitund kein Verständnis für das Leidder anderen Mitstreiter. Ich stehe auch mal gerne an,besser noch, als Nahverkehr,wo man auch nicht treten kann.In…

  • Schweigen im Walde

    Sie schweigen beim Gang durch die Wälderund zeigen die Maschinerieund schneiden sich Wege für Gelderder Holz- und Papierindustrie. Sie treiben die Ketten in Rinde,dann neigen die Kronen sich abund leiden im elenden Winde.Sie weiden hier fast jeden Tag. Es wird keine Eingabe geben,weil keiner vor Ort sie hier schreibt,der Wald protestiert nicht mit Reden,ist keiner,…

  • |

    Herr

    Herr, vergib mir meine Sünden,hab doch nie an dich gedachtund dann sag, ob sie mich finden,weil sie suchten in der Nacht. Herr, es braucht kein Himmelsgeigeran der güldnen Pforte stehenund kein goldbesetzter Zeiger,muss sich meinethalben drehen; Einen langen leisen Traum,ein ruhiges Bett, ganz ohne Funkeln,und eine Tischlampe im Raum,ich hab’ doch Angst, allein im Dunkeln…[2008]

  • Die Schreibmaschine

    Der alte Schwerstarbeiter ist in Rente gegangenund verließ seinen angestammten Platzmit tintenverschmierten Buchstabenstangenund einem unvollendeten Satz. Man hatte das Farbband nicht mehr gewechseltund vorher Beschriftung von den Tasten geschwitztund hätte sie fast für den Abfall zerhäckselt;der Müllfahrer bot ihr den Beifahrersitz. Und Lackkratzer zeugen von wilderen Zeiten,na ja, sie war jung und ziemlich naiv.Alt ist…