|

Hollischer Überraschungseffekt

Da räumt man noch müde die Stühle ins Haus
und zieht sich ein Mäntelchen über,
sucht sich schon langsam das Tannengrün aus
und klagt über Schnupfen und Fieber.

Da zog man voraussehend Winterpneus auf,
selbst Frostschutz ist längst schon befüllt,
Handschuhe, Mütze, ein Schall obendrauf,
halt alles auf Winter gedrillt…

…und schüttelt Frau Holle dann endlich das Bette,
da klatscht es auf allen Alleen,
die Leute erklären, sie hätten die Glätte
nicht wirklich kommen gesehen.
(Versteht irgendwer das Problem?)
[2017]

Ähnliche Beiträge

  • Betrachtungsabstand

    Ein Schachbrett kennt nur das Extrem,es gibt nur schwarz und weiß,das ist zum spielen recht bequem,doch ethisch voller Schweiß. Nun gibt es immer auch ein StückDazwischen, ganz genauund plötzlich hat das Spielfeld Glück,denn tritt weit genug zurück,wird das Schachbrett grau.[2007]

  • |

    Oben ohne

    Herbst setzt Nebel auf die Felder,streicht die Scheiben nachts mit Reif,und verbrennt zusätzlich Gelder,seit ich nach dem Heizöl greif‘. Dennoch gibt es harte Kerledie Bedarf am Gelten habenund das Dach der Autoperletief im Kofferraum vergraben. Das Gesicht verhüllt die MützeKrampfhaft cool, mit weißem Schal,bullig warme Ledersitze,Heizpilz für das Arsenal. Zwei Grad abwärts, das ermattet,nicht, dass…

  • |

    80 Jahre

    (an Bernhard v. d. Pütten)Es ist an der Zeit eine Pause zu machenund sich zu erinnern, was denn geschah,über die Faxen von damals zu lachenund sich zu bedanken, für jedes Jahr. Noch einmal seine Geschichten erzählen,nochmals erleben, wie es denn war,die Schiffe, das Meer und Matrosenseelenund sich zu bedanken, für jedes Jahr. Es ist an…

  • |

    Herr

    Herr, vergib mir meine Sünden,hab doch nie an dich gedachtund dann sag, ob sie mich finden,weil sie suchten in der Nacht. Herr, es braucht kein Himmelsgeigeran der güldnen Pforte stehenund kein goldbesetzter Zeiger,muss sich meinethalben drehen; Einen langen leisen Traum,ein ruhiges Bett, ganz ohne Funkeln,und eine Tischlampe im Raum,ich hab’ doch Angst, allein im Dunkeln…[2008]

  • Stummer Nekrolog

    Der runde Vollmond stehtam Himmel ganz allein,so ist die Schicht, er kann ja nichts dafür.Er leuchtet noch so spätden letzten Säufer Heim.Der Kneiper schließt benommen seine Tür. Geräusche werden wach,die niemand wirklich hört,außer jenem, der sie wirklich hören will.Die Straßenbahn macht Krach,woran sich keiner stört,denn kurz darauf ist alles wieder still. Die Stadt schläft niemals…