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Der Jaguar

[Reiner Maria Rilkes „Der Panther“ 2.0;
auf der Bundesstraße 96, bei Teschendorf]
Sein Blick ist vom Vorüberziehn der Streifen
so schwer geworden, dass er kaum noch wacht.
Ihm ist, als würden alle Zeichen weichen,
nur seine Leuchten streifen durch die Nacht.

Der tiefe Schluck gewagter Restbelebung
die er vom Energiegetränk bezog,
Ist wie die präventive Bitte um Vergebung
die er sich stoisch ins Gewissen log.

Auf einmal stellt ein dunkler Eisenträger
sich heimlich auf -. Dann sticht er tief hinein,
sticht wie ein wildentschlossner Zombljäger
zu und hört im Herzen auf zu sein.
[2016]

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