Jähnichen altert

[an den Künstler Uwe Jähnichen]
Seiner einer wird ein Jährchen älter,
ganz unauffällig, am helllichten Tag.
Die Knochen sind morscher, die Haut etwas welker,
es lügt, wer erzählt, dass er so etwas mag.

Seiner einer ist perfekt präpariert.
Mit Träumen und Muse steht er im Feld;
Soll sie doch kommen, die Zeit, die schon giert,
sei leise, dann hörst du, wie sie zerschellt.

Was Bleibendes schaffen, getrieben vom Spleen,
was andere sagen, hat nie irritiert,
Ideale verfolgen und Stellung beziehen,
ein Leben, bis auf den Kern reduziert.

Seiner einer wird ein Jährchen älter,
zwischen Pinseln, Metall und Apfelgetränken,
quetscht er die Zichte im Aschebehälter
und lässt sich, so hoffe ich mal, reich beschenken.
[2010]

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