| |

Stillleben im Hafenbecken

Eine Nussschale treibt um ihren Marterpfahl,
gefesselt auf ewig oder wenigstens bis zum nächsten Orkan.
Der Bug geschunden, die Deckbohlen verwunden
die Männer verschwunden, wie viele auch immer es waren.

Eine Nussschale stirbt an ihrem Marterpfahl,
vom Sturm stranguliert und hinterrücks vom Wasser gefressen.
Nach backbord gekentert, von Fischen geentert,
das Schicksal verplempert, was wir vergessen.

Ohne Nussschale steht noch ein Marterpfahl,
bis der Hafen den Platz für ein brandneues Trockendock lichtet:
Junge Sägen durchtrennen, was die Alten nur kennen,
so wird man von Henker erst hin- und dann vom Denker hübsch hergerichtet.
[2013]

Ähnliche Beiträge

  • Fahrlässig

    Der Drehzahlmesser scheint zu brechen,biegt sich bitter um den Steg,zappelt wild bei jedem Stechenund macht Größenwahn konkret. Der Auspuff schreit aus voller Kehlejeden Überholten an.Er ist doch keine Raserseele,fährt doch nur so schnell er kann. Immer Dampf in allen Kesseln,rote Zahlen, rote Stirn,Adrenalin kann Sinne fesselnoder gleich das ganze Hirn. Ich sage es mal ganz…

  • |

    David vs. Goliat

    Der Straßenbahnfahrer ist nur noch am Fluchen,ein Radler vor ihm fährt zwischen den Schienen,und macht keine Anstalt das Weite zu suchen,Fahrgäste schauen, verziehen die Mienen. Unmöglich die Kontenance noch zu wahren;„Etwas mehr Rücksicht würde sich lohnen,können sie nicht woanders fahren?“Der Radler lacht hämisch; „Nun ja, ich schon!“[2016]

  • |

    Wenn sie glauben

    Sie glaubt, dass sich das Wetter hältund an den Weihnachtsmannund das, wenn Nachbars Hündchen bellt,er sie nicht leiden kann. Und er erwartet noch Besuch;die Schöne aus der Barund glaubt an einen bösen Fluch,als er sie nicht mehr sah. Tja, alle Menschen scheinendem Glaube zu verfallenund das genügt dann allen?Zweifel ist der Preis!Ich warte auf den…

  • Weißes Rauschen

    Für einen Moment vergessen,für einen Moment befreitvon all den verschiednen Interessenund dem Druck hinter Zeit. Keine kleinen Gedanken,keinen neuen Termin,keine Leute, die zankenund Köpfe voll Melodien. So laut auch die Wellen zerfallenund Winde in Ohrmuscheln hallen,man hört kaum das eigene Wort,so sicher findet man Ruhevom hektikgetränkten Getue.Es gibt keinen stilleren Ort…[2007]