Betrachtungsabstand

Ein Schachbrett kennt nur das Extrem,
es gibt nur schwarz und weiß,
das ist zum spielen recht bequem,
doch ethisch voller Schweiß.

Nun gibt es immer auch ein Stück
Dazwischen, ganz genau
und plötzlich hat das Spielfeld Glück,
denn tritt weit genug zurück,
wird das Schachbrett grau.
[2007]

Ähnliche Beiträge

  • Unbesiegbar

    Kleine Blume auf der Wiese,stehst so da und lächelst warm,nimmst die Blicke in den Armund du streichelst diese. So zerbrechlich sind die Blüten,die der Stängel tapfer hält,gegen Winde dieser Weltmuss er Schönheit hüten. Tausend kleine Pollen fliegenund sie tragen reiches Gutvoller Tatendrang und Mutund bleiben später liegen. Sie werden neue Wurzeln schlagentief im Erdreich festgekralltdann…

  • |

    Exil

    Traurig ist es, irgendwie,auf seine Zeit zurückzuschauen,Erinnerungen zu zerkauen,Überlebensstrategiebleibt, neue Schlösser zu erbauen. Neue Wege, die entstehen,durch alte, die ganz leis verblassenbis sie den Stadtplan ganz verlassen,sich selbst um sich allein nur drehenund einzig sich als Zweck erfassen. Neue Ziele sollen leiten,durch die kranke Ironie,Erinnerungen töten die,die noch sind in alten Zeiten.Ja, traurig ist es…

  • |

    Klimadefekt

    Unser Klima ist defekt,es ist subtropisch heiß,die Sonne brennt, mein Körper leckt,es regnet förmlich Schweiß. Die Atemzüge fallen schwer,die Augen fallen leicht,ich konzentriere mich nicht mehr,halluziniere gleich. Was kostet nun der Aufenthaltin einer Klimaklinik?Wer macht meine Lüftung kaltund glättet meine Mimik? Ja, es kostet alles Geld,für meinethalben gerne.Wer löhnt für den Rest der Welt?Das wissen…

  • |

    Großstadtsilvester

    Das Jahr ging wieder schallend vorüber,an Zimmerdecken hängen Ballons,die Straßen sind voller leerer Kartonsund Sektflaschen kleckerten drüber. Der Wirt latscht leise lallend ins Bett,die Fässer fast leer, das hat sich gelohnt,Silvester hat ihn nicht wirklich verschont,Der Umsatz macht die Blessuren schon wett. Atmen und fegen, die Laufwege räumen,und fremde von eigenen Sachen trennen,zum Frühstück bleiben…

  • |

    Vom ersten Tag Oma

    [an Oma Anni]Als ich zur Welt kam, soviel kann ich sagen,musstest du fortan den Titel ertragenOma zu sein und ferner zu bleiben.Das ließ sich seitdem wohl auch nicht mehr vermeiden. Ich mühte mich redlich, mit all meiner Kraftdir deine zu rauben, ich war eben klein,Ich hab’ es zuweilen beinahe geschafftund nie so gemeint, um ehrlich…